Zitat-Orgie mit Harald Schmidt und Pollesch

Zugegebenermaßen war mir René Pollesch bisher kein Begriff, aber das Interview in der Zeit ist wirklich herausragend unterhaltsam. Was darauf schließen lässt, dass es sich um einen guten Mann handelt. Besonders amüsant ist das Anreichern der Antworten mit schönen Zitaten zu jedwedem Thema. Mein liebstes kommt von Brecht:

ZEIT: Ein ganz wichtiges Wort in Ihrem Wortschatz, Herr Pollesch, ist »Regulierung«. Herkömmliches Geschichtenerzählen, sagen Sie, sei bloß eine Art, das Publikum zu regulieren.

Pollesch: Es könnte sein, dass Geschichten, von denen man sagt, dass sie von uns erzählen, eher dazu taugen, dass die Zuschauer und die auf der Bühne sich gegenseitig auf Lesbarkeit trimmen. Also eine heterosexuelle Liebesgeschichte zum Beispiel wird als die universelle Liebesgeschichte ausgegeben. Oder die Geschichte über einen Mann als die Geschichte über den Menschen. Brecht hat die Regulierung auch mal benannt, als er im Berliner Ensemble die Zuschauer reinkommen sah und sagte: Penis und Vagina, immer das Gleiche, immer nebeneinander. Ich hab mal in einem ganz frühen Stück eine Frauenfigur zu einer anderen den Satz sagen lassen: So kriegst du nie nen Mann. Und da wurde ich von lesbischen Freundinnen gefragt: Muss so ein Satz sein? Das ist so heterozentristisch. Sie hatten recht. Und ich will so was nicht produzieren. Ich will nicht dieselben Heterophrasen wie alle anderen von der Bühne blasen. Ich will mich nicht an der Regulierung beteiligen.

Großartig.