Scott Matthew @ Kulturkirche

Es ist Konzertherbst! Diese Woche war Scott Matthew mal wieder in Köln zu Gast, passenderweise unpassend in der Kulturkirche in Nippes. Sehr schönes Gebäude, sehr wunderbare Atmosphäre für Akkustikkonzerte. Und bestuhlt, was Leuten in meinem Alter und mit meinem Rücken auch mal sehr entgegen kommt. Amen.

Vorband war leider nicht Roman Fischer, sondern die kanadische 2-Mann-Kombo Snailhouse, die pathetische Lieder pathetisch vortrug. An sich nicht die schlechteste Idee, macht der Herr Matthew ja auch – allerdings mochte der Funke bei den Schneckenhäuslern nicht so recht überspringen. Zumindest nicht in mein Herz. zum Glück schien vor allem der Frontmann davon nichts mitzubekommen, denn er freute sich ehrlich und oft über seinen Auftritt. Na dann!

Nachher also wieder Bier einholen und etwas enger gerückt auf der Bank für Scott Matthew, den australischen (ha!) Haudegen mit der unglaublichen Stimme, dem unglaublichen Bart und dem ganz großen Gefühl. Seine beiden Bandmitglieder haben ihre Sache ebenso hervorragend gemacht – mit Klavier UND Cello ist es eh um mich geschehen. Scott’s Lieder wirkten live und in dieser Atmosphäre noch bewegender als auf dem Album, bei quasi jedem Song will man sich mit Rotwein begießen und vor Weltschmerz und Liebeskummer laut schreiend auf dem Boden wälzen. Soviel Innerstes nach Außen ist bestimmt auch in der Kirche selten. Interessanterweise war Scott blendend drauf und vergass nicht zu erwähnen, dass die Kölner Auftritte in … eben… einer Kirche immer ein besonderes Highlight seiner Touren sind. Wer die Performance in Shortbus gesehen hat, ahnt, dass der Mann da auf hohem Niveau lobt. Spätestens bei der Geschichte von der 94jährigen Lady mit dem Blumenbouquet beim letzten Besuch in der schönsten aller Domstädte, die inzwischen leider tot ist, war es um alle im Schiff (Kirche halt…) geschehen. Zwei Zugaben noch, nicht enden wollender Applaus und das dringende Bedürfnis, ihn auf 2-4 Rotweinflaschen und ein paar Gitarrensongs ins eigene Wohnzimmer einladen zu wollen, dann war das schönste Konzert der Welt* schon wieder vorbei. Wie schade. Bis zum nächsten Mal!

*Natürlich nicht besser als Motoboy im Subway und Moby überall, aber auf jeden Fall Top5. For real!