Mama, ich bin betroffen

Heute am Büdchen: Der neue stern mit einer blogrelevanten Titelgeschichte. Ausgehend vom Editorial kann das Dossier selbst nur besser werden, auch wenn mir bei der Ãœberschrift “Was macht schwul?” – Seite 54 schon wieder ganz blümerant wird.

Im Editorial jedenfalls beweist Chefredakteur Thomas Osterkorn sein Gespür für feinsinnige Wortwahl und klischeeberfreite Herleitungen:

“[…] Für Eltern ist die Erkenntnis, dass ihr Sohn schwul ist, immer noch ein Schock. Sie machen sich Vorwürfe, stellen sich Fragen: Haben wir etwas falsch gemacht? War es richtig, den Jungen als Kind mit einer Barbie spielen zu lassen, ihn zum Ballett zu schicken statt auf den Fußballplatz?

stern-Mitarbeiter Michael Kraske, 35, hat für unsere Titelgeschichte mit vielen Betroffenen gesprochen und die Erfahrung gemacht: Gerade bei Familien, die sich lange mit der Homosexualität ihrer Kinder gequält haben, ist eine große Erleichterung zu spüren, nachdem sie sich schließlich doch zu Offenheit gegenüber Freunden, Verwandten und Nachbarn hatten durchringen können.[…]”

Herr Osterkorn, ich als Betroffener hatte nie eine Barbie und habe nie Ballett getanzt. Stattdessen hatte zusätzlich zur schäbigen DDR-Puppe auch Matchbox-Autos und ich war im Fußballverein. Das mir bald das Schiedsrichterdasein nahe gelegt wurde, tut ja nix zu Sache. Sowas plumpes… Wie gesagt, der Rest ist hoffentlich besser geschrieben.

6 thoughts on “Mama, ich bin betroffen”

  1. … die haben zuviel Billy Elliot gekuckt, da .com die in HH schnell auf so Ideen …

  2. Ja datt kann wohl gut sein. Die Artikel selbst sind auch alle sowat von lasch – das is, als wennse über Familien schreiben täten, deren Kinder leider ohne 1 Arm geboren worden sind. Erst warsn Schock, aber dann hamse se doch genauso lieb wie mit 2 Arme.

    Da hätte man mal was praktischer rangehen können und nich als einziges Internetz das unsägliche F*ckportal erwähnen müssen. So ‘Betroffene’ würden sicherlich gerne woanders was lesen über ihre Situation. Wie man halt so Stress verhindern kann… nämlich, indem man seine Kinder gescheit erzieht.

    Und dann is da noch so nen Artikel über wie Schwule so am leben sind. Dat schreibt dann 1 Hetero und faselt was rum von Treueverständnis und Halligallitittenraus. Wieso dat denne? Entweder is man konsequent und lässt dat nen Schwulen und ne Lesbe schreiben oder man is ultrakonsequent und schreibt nur “Bei Schwulen und Lesben is genauso wie bei den Heteros: Gibt solche und andere. Jeder, wie er will.”

    Wenn man nich alles selbst schreiben tut!

  3. Hab den Stern auch eher aus Reflex gekauft. Ein dünnes Heftchen voll dünner Informationen. Ich denke, dass sind so typische Lückenfüller-Leitartikel, die man nach Neujahr mal verbraten kann. Brauch man sich gar nicht mehr drüber aufregen.

  4. Und es gibt tatsächlich die Schwulen, die als Kind mit Barbies gespielt haben. Dieser Satz im Artikel ist absolut nicht falsch, denn es ist keine Verallgemeinerung, sondern bloss das Beispiel einer Frage von vielen, die sich Eltern stellen könnten.

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