James Blake @ Gloria

Das Gloria war ausverkauft, eine sehr bunt gemischte Melange aus kleinen Gayboys, die aussahen wie James Blake selbst, keinen Hetereojungs, die aussahen wie James Blake selbst nebst Freundin, Spex-Hipster, Werbefuzzis und -fuzzinen und Menschen aus der Eifel, die man optisch eher bei Helene Fischer verorten würde und von denen es trotzdem auch auf den obskursten Konzerten immer ein paar Exemplare gibt. Mittendrin diverse Mädels, die in den ruhigen Momenten des Sets schwer an sich halten konnten. Das war schade, denn gerade die Stille ist ja in James Blake’s Musikkosmos ein wichtiges Element.

Genau wie der Bass, der so wohlig hat geprickelt in mein Bauchnabel und der das Gloria an seine Grenzen brachte. Trotzdem(?) erwähnte der höfliche, sehr zurückhaltende Herr Blake, dass das die “bassiest stage” sei, auf der er je performt hat. Ich finde, die Musik, die Aura, die Persönlichkeit, das Intime an seiner Musik passt dann doch eher in einen kleineren Laden wie das Luxor (wo ich damals leider nicht dabei war). Das Grundrauschen in einer größeren Location wie dem Gloria ist zu laut, der potentielle Ärgernisfaktor über dauerquasselnde Mitbesucher zu hoch. I’m talkting to you, Blondine vorm Tresen! Apropos Tresen: 2 Euro 60 für ein Kölsch, liebes Gloria, das ist pervers!

Es war trotzdem ein schönes Konzerterlebnis, in meinen Ohren verbarg sich in den fragilen Sounds eine Prise Moderat, eine Prise Motoboy, eine Prise Panacea, eine Prise Fever Ray. Die Spielerei mit den eigenen Vocals und zeitgleich aufgenommenem Applaus und Geschrei aus dem Publikum war sehr erfrischend. Was man vom Warm Up Act nicht sagen kann, der zweifelsohne vielerei Talente hatte, deren Wirkung er jedoch durch sein clownesques Auftreten deutlich abschwächte.

Das Trio aus Schlagzeuger, Gitarrist und James selbst wirkte optisch und durch das scheue Auftreten, als würden sie sonst gerne Javascript-Frameworks basteln oder im Chemie-LK Überstunden schieben. Süß.