Category Archives: Liebes Tagebuch

Ich teste kochabo.de

Aus vielerlei Gründen teste ich diese Woche mal den Lebensmittel-mit-Rezept-dabei-Lieferservice kochabo.de. Circa eine Woche nach meiner Groupon-Bestellung des Veggie-Sets (29,90 Euro statt 59,90 Euro für 3 Mahlzeiten á  Personen) durfte ich die Lieferzeit bestätigen bzw. ändern, denn auch kochabo.de macht beim Zustellungstest von DHL mit. Anstatt des Lieferfensters “18 bis 22 Uhr” darf jetzt gewählt werden: “18 bis 20 Uhr” oder “20 bis 22 Uhr”. Zustellung vom freundlichen Boten: 21.56 Uhr. Well done.

Die rechte Tüte kam in einer Kühlbox. Laut Bote wird seit dieser Woche keine Pfandbox mehr verwendet, er hat an der Türschwelle “ausgeladen”.

Inwieweit diese Lieferung einen wie auch immer gearteten Wert von 59 Euro hat, kann ich mangels Erfahrung und Wissen nicht sagen. Aber schätzen: Eher nicht.

Die ganze Familie (…) freut sich übrigens diese Woche auf:

– Ratatouille
– eine bunte Gemüsepfanne mit Hirse
– Farfalle mit Wirsingstreifen und Gorgonzola

Ich werde berichten.

 

Scott Matthew @ Kulturkirche

Es ist Konzertherbst! Diese Woche war Scott Matthew mal wieder in Köln zu Gast, passenderweise unpassend in der Kulturkirche in Nippes. Sehr schönes Gebäude, sehr wunderbare Atmosphäre für Akkustikkonzerte. Und bestuhlt, was Leuten in meinem Alter und mit meinem Rücken auch mal sehr entgegen kommt. Amen.

Vorband war leider nicht Roman Fischer, sondern die kanadische 2-Mann-Kombo Snailhouse, die pathetische Lieder pathetisch vortrug. An sich nicht die schlechteste Idee, macht der Herr Matthew ja auch – allerdings mochte der Funke bei den Schneckenhäuslern nicht so recht überspringen. Zumindest nicht in mein Herz. zum Glück schien vor allem der Frontmann davon nichts mitzubekommen, denn er freute sich ehrlich und oft über seinen Auftritt. Na dann!

Nachher also wieder Bier einholen und etwas enger gerückt auf der Bank für Scott Matthew, den australischen (ha!) Haudegen mit der unglaublichen Stimme, dem unglaublichen Bart und dem ganz großen Gefühl. Seine beiden Bandmitglieder haben ihre Sache ebenso hervorragend gemacht – mit Klavier UND Cello ist es eh um mich geschehen. Scott’s Lieder wirkten live und in dieser Atmosphäre noch bewegender als auf dem Album, bei quasi jedem Song will man sich mit Rotwein begießen und vor Weltschmerz und Liebeskummer laut schreiend auf dem Boden wälzen. Soviel Innerstes nach Außen ist bestimmt auch in der Kirche selten. Interessanterweise war Scott blendend drauf und vergass nicht zu erwähnen, dass die Kölner Auftritte in … eben… einer Kirche immer ein besonderes Highlight seiner Touren sind. Wer die Performance in Shortbus gesehen hat, ahnt, dass der Mann da auf hohem Niveau lobt. Spätestens bei der Geschichte von der 94jährigen Lady mit dem Blumenbouquet beim letzten Besuch in der schönsten aller Domstädte, die inzwischen leider tot ist, war es um alle im Schiff (Kirche halt…) geschehen. Zwei Zugaben noch, nicht enden wollender Applaus und das dringende Bedürfnis, ihn auf 2-4 Rotweinflaschen und ein paar Gitarrensongs ins eigene Wohnzimmer einladen zu wollen, dann war das schönste Konzert der Welt* schon wieder vorbei. Wie schade. Bis zum nächsten Mal!

*Natürlich nicht besser als Motoboy im Subway und Moby überall, aber auf jeden Fall Top5. For real!

James Blake @ Gloria

Das Gloria war ausverkauft, eine sehr bunt gemischte Melange aus kleinen Gayboys, die aussahen wie James Blake selbst, keinen Hetereojungs, die aussahen wie James Blake selbst nebst Freundin, Spex-Hipster, Werbefuzzis und -fuzzinen und Menschen aus der Eifel, die man optisch eher bei Helene Fischer verorten würde und von denen es trotzdem auch auf den obskursten Konzerten immer ein paar Exemplare gibt. Mittendrin diverse Mädels, die in den ruhigen Momenten des Sets schwer an sich halten konnten. Das war schade, denn gerade die Stille ist ja in James Blake’s Musikkosmos ein wichtiges Element.

Genau wie der Bass, der so wohlig hat geprickelt in mein Bauchnabel und der das Gloria an seine Grenzen brachte. Trotzdem(?) erwähnte der höfliche, sehr zurückhaltende Herr Blake, dass das die “bassiest stage” sei, auf der er je performt hat. Ich finde, die Musik, die Aura, die Persönlichkeit, das Intime an seiner Musik passt dann doch eher in einen kleineren Laden wie das Luxor (wo ich damals leider nicht dabei war). Das Grundrauschen in einer größeren Location wie dem Gloria ist zu laut, der potentielle Ärgernisfaktor über dauerquasselnde Mitbesucher zu hoch. I’m talkting to you, Blondine vorm Tresen! Apropos Tresen: 2 Euro 60 für ein Kölsch, liebes Gloria, das ist pervers!

Es war trotzdem ein schönes Konzerterlebnis, in meinen Ohren verbarg sich in den fragilen Sounds eine Prise Moderat, eine Prise Motoboy, eine Prise Panacea, eine Prise Fever Ray. Die Spielerei mit den eigenen Vocals und zeitgleich aufgenommenem Applaus und Geschrei aus dem Publikum war sehr erfrischend. Was man vom Warm Up Act nicht sagen kann, der zweifelsohne vielerei Talente hatte, deren Wirkung er jedoch durch sein clownesques Auftreten deutlich abschwächte.

Das Trio aus Schlagzeuger, Gitarrist und James selbst wirkte optisch und durch das scheue Auftreten, als würden sie sonst gerne Javascript-Frameworks basteln oder im Chemie-LK Überstunden schieben. Süß.

Korrekt von uns.

Vor einigen Wochen schrob ein mir damals noch nicht bekannter Herr hier in mein Internetz, er hätte da mal eine Frage*. Heute kann ich sagen: Das war mit das Schönste, was mir durch dieses Blog bisher passiert ist. Fußballtechnisch steht es mindestens auf gleicher Stufe mit dem freundlichen Kommentar meines Jugendtorwartidols Ronny Teuber vor ein paar Jahren. Seit heute kann jeder Mann, jede Frau und jeder homophobe Vollpfosten lesen, um was es da ging: Die Aktion Libero ist online.

Im Laufe des heutigen Tages berichteten 90elf, Spox, ZEIT Online und ein paar andere Medien. Nicht nur 60+ Sportblogs, sondern auch einige der meist gelesenen deutschen Blogs haben über die Aktion berichtet, sie zumindest verlinkt und damit einen beeindruckenden Buzz kreiert.

Für mich war und ist das ein ungeheuer erhebendes Gefühlt, dass die Initiative diesmal nicht aus der “schwullesbischen Ecke” kam. Nein, ziemlich smarte, fußballinteressierte Damen und Herren hatten einfach die Nase voll von den seltsamen Bekundungen Lahms und Friedrichs, von den Pöbeleien im Stadion und in den Kommentarspalten im Web. Sie haben sich zusammen getan, die Aktion professionell geplant und damit eine Öffentlichkeit erreicht, die uns als schwul-lesbischen Fans nur selten gegönnt wird.

Unser Fanclub “Andersrum Rut-Wiess” ist inzwischen vier Jahre alt. Unser Mitglied Jens Pielhau hat am Sonntag auf der chaotischen Mitgliederversammlung die FC-Charta präsentiert (Punkt 6: “Herzlich Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands, egal, woher du kommst, was du glaubst, was du hast oder bist, wie du lebst und wen du liebst”) und dafür jede Menge Respekt geerntet. Der Aktionstag gegen Homophobie fand damals in unserem Stadion statt. Der DFB unterstützt alljährlich den Paradewagen der schwullesbischen Fußballfans beim Kölner CSD.

Man könnte denken, alles läuft, kein Grund zur Panikmache. Auch die Aktion Libero wird die üblichen Kommentare erhalten, die laut fragen, warum das Thema denn angefasst werden muss, wenn es doch so egal ist. All jene, denen diese Gedanken kommen, sollten sich bei youtube die Ausschnitte aus Aljoscha Pauses Grimmepreis-gekrönten Dokus ansehen. All jene sollten ernsthaft in Erwägung ziehen, die nächsten 30 Jahre ein fremdes Leben zu leben.

Ich weiß nicht, ob wir es schaffen Schimpfwörter wie “Schwule Sau!” je aus dem Stadion zu verbannen, wenn sie in der Schule Standard sind. Aber zumindest braucht es das Bewusstsein bei den 80 Millionen deutschen Bundestrainern, dass Lahm, Friedrich, Daum, Bierhoff, Ballack-Berater Becker, Weidenfeller zuweilen unverantwortlichen bis gefährlichen Schwachsinn von sich geben. Dass 80 Millionen Bundestrainer sich kurz überprüfen, warum sie Cristiano Ronaldo dissen und in welcher Weise sie das zu tun gedenken. Dass 80 Millionen Bundestrainer im Stadion denjenigen den Mund verbieten, die diskrimierende Äußerungen tätigen. Dass 80 Millionen Bundestrainer ihre Meinung zum Frauenfußall reflektieren. Dass 80 Millionen Bundestrainer mal nicht nur an die Millionen denken, die die Profis verdienen, sondern daran, dass es sich um fragile Menschenskinder handelt.

Und unter diesen Menschenskindern sind einige, die sich verbiegen, Scheinehen eingehen und darunter leiden, dass andere es zulassen, dass der Fußball eine Enklave der Homophobie ist. Solange bleiben wird, wie wir und die Protagonisten nicht aufstehen und sagen: Das darf doch nicht sein, dafür gibt es gar keinen Grund!

Ich danke allen aus dem Projektteam von ganzem Herzen. Ich beglückwünsche euch zu dem Erfolg bisher. Ich bin froh, ein klein wenig dazu beigetragen zu haben.

 

* Es ist toll, dass so alte Kontakte in den Westen immer noch funktionieren. Networking, ftw!

Der AIDS-Krieg

 

Der ARD zeigt aus Anlass des Welt-AIDS-Tages am Mittwoch, dem 16.11.2011 um 22.45 Uhr die vom WDR verantwortete Reportage “Der AIDS-Krieg“. Heute war Vorabpremiere im Filmforum des Museum Ludwig in Köln in Anwesenheit von Redakteurin Christiane Hinz und Produzent Uwe Dierks.

45 Minuten Flashback in die 80er, als Gauweiler und Spiegel Amok liefen und vor allem Homosexuelle stigmatisiert wurden, während sie zusätzlich ihren Freunden beim Sterben zusehen mussten. Anhand der Interviews mit Protagonisten aus unterschiedlichsten Lagern (u.a. Gauweiler, Ärzte, Aids-Hilfe, Jessica Stockmann, Rita Süssmuth, Matthias Frings, Heinz-Dieter Niemeyer, dessen Frau sich als Krankenschwester ansteckte) gelingt es der Reportage das von Angst und Panik geprägte Klima neu erlebbar zu machen. Der Film bietet tolle Bilder aus Berlin und San Francisco, genauso wie unfassbare Statements aus Talkshows und Bundestagsdebatten. Es geht nicht um die Wertung der Ereignisse und Taktgeber (Gauweiler kommt in seinem Interview beinahe kauzig-sympathisch rüber, was durch die Ausschnitte von damals konterkariert wird), jeder Zuschauer wird sich seine Meinung selbst bilden müssen. Damit ist die Reportage auch prädestiniert für Schulscreenings, der WDR bietet dankenswerterweise zwei Ausstrahlungstermine im Schulprogramm.

Nach der Vorführung gabs noch eine lockere Podiumsdiskussion, wobei besonders Herr Niemeyer, sichtlich bewegt, und Heinz Jarchow (Gründer AIDS-Stiftung) sehr emotional agierten. Der einführende Vortrag von Elfi Scho-Antwerpes (“Ich als AIDS-Hilfe…”) über HIV und AIDS heute war dagegen in Anbetracht des offensichtlich vorgebildeten Publikums überflüssig und zeitraubend, ich hab die halbe Diskussion verpasst. Warum man die Gelegenheit als AIDS-Hilfe Köln ungenutzt verstreichen ließ, die aufwendige Präventions-Filmkampagne 2011 aus dem eigenen Haus (“Paul und Etienne“) vorzustellen und in Verhältnis zur Reportage zu setzen, bleibt mir ebenfalls mindestens schleierhaft.

Jedenfalls: Unbedingter TV-Tipp und Kudos für den prominenten Sendeplatz in der ARD!

Termine:
Mittwoch, 16.11.2011 – 22.45 Uhr – ARD
Freitag, 25,11,2011 – 7.50 Uhr und 23.15 Uhr – WDR
Mittwoch, 30.11.2011 – 21 Uhr – Phoenix
Freitag, 2.12.2011 – 7.50 Uhr – WDR