Category Archives: Kunst kommt von Können

An Tagen wie Dresden

Neulich war ich mal wieder auf Heimaturlaub, das Auswärtsspiel des geliebten FC bei der geliebten Dynamo stellte dabei einen willkommenen Anlass da. Diesmal habe ich mir in Begleitung mal das Kulturprogramm gegönnt, so dass ich ein bis zwei heiße Tipps für Dresden-Reisende habe, die ich hier mal ins Internetz schreiben kann. Content ist king, weißte!

 

Hotel:

Das art’otel in der Ostra-Allee, gegebenüber vom Haus der Presse. Super gelegen (5 Minuten zum Zwinger und damit in die Innenstadt), gepflegt, ein bisschen funky, ein bisschen langweilig. Folgen sie dem Pimmelmännchen auf dem Dach.

 

Spazierengehen in Dresden:

Wenn’s Winter ist und wenn Sommer ist, dann ist Dresden am schönsten. Wir hatten Winter inkl. Zuckerschnee auf Barockbauten, ganz schön herrlich. Wenn man so durch die Stadt bummelt (Zwinger! Semperoper! Schloss! Brücken! Elbe!) und vielleicht mal was shoppen gehen will (Prager Straße), dann empfiehlt sich der wärmende Gang durch die Altmarkt-Galerie, ein Shopping-Center ,das über die letzten Jahre die halbe Innenstadt vereinnahmt hat. Ziemlich spooky, aber halt warm.

 

Essen gehen in Dresden:

  • Altmarktkeller: Böhmisch-sächsische Küche in Gaststubenatmosphäre, zum Glück nicht eklig urig, sondern hell und freundlich. Unbedingt was mit Knödeln, unbedingt Quarkkeulchen zum Abschied.
  • Apotheke: Der Raucherraum vom Sophienkeller zu ebener Erde. Gleiche Karte, tolle Einrichtung, prima Essen.
  • Babos: Angesichts der Sushi-Laden-Explosion, die Dresden gerade erfasst, kann man beinahe vergessen, wie herrlich man hier Döner schlemmen kann. Ganz besonders und zu vordererst nach dem Ausgehen in der Dresdner Neustadt, z.B. im Babos gegenüber von der Scheune.
  • Falscher Hase: Da waren wir zwar dieses Mal nicht, aber ich alleine beim letzten Mal. Winziges, veganes Restaurant mit herausragend tollen Gerichten, z.B. der verganen Soljanka.

 

Kultur in Dresden

Ich fasse unseren Museumsmarathon mal kurz zusammen. Das kann man hier wirklich gut, in Museen gehen.

  • Militärhistorisches Museum: Nach der Grundrenovierung inkl. des unfassbaren Stahlkeils von Daniel Libeskind mein Lieblingsmuseum. Von außen die Wucht, von innen mit unüberschaubarem Repertoire. Man kann die Stahlkonstruktion von innen betreten und einen beklemmenden Blick über Dresden wagen (in der Blickrichtung des Bombergeschwaders vom 13.2.45), allerdings war dieser Ausguck wegen einer defekten Tür schon bei meinem letzten Besuch im Dezember 2012 und jetzt wieder geschlossen.
  • Neues Grünes Gewölbe: Unbegreifliche Sammlung an Reichtum und Blödsinn (Kirschkern-Schnitzerei!), sehr beeindruckend. Mit im Eintritt enthalten sind der Zugang zur Rüstkammer und zur Türkischen Cammer mit ziemlich kitschigen Rüstungen.
  • Historisches Grünes Gewölbe: Das kostet 12 Euro extra und man muss einen bestimmten Time-Slot buchen, weil die Ausstellungsstücke nicht hinter Glas stehen und nicht zu viele Menschen gleichzeitig rumatmen sollen. Die Sammlung war für Laien nicht beeindruckender als die im Neuen Grünen Gewölbe, die Räume aber schöner. Zweites Minus: Keine Erklär-Tafeln, nur Audio-Guides. Tipp: Wenn schon Audio-Guide, dann unbedingt nach der sächsischen Version fragen!
  • Semperoper: Die Führungen kann ich empfehlen, schön viel Prunk. Keine Karten für Aufführungen vom Schwarzhändler davor kaufen. Der verarscht einen nur. Radeberger ist Gastro-Partner, hat aber keine Brauerei hier (haha).
  • Verkehrsmuseum: Thematisch nicht unbedingt mein Steckenpferd, erinnere mich aber gut daran, dass das zu Schulzeiten der Knaller war. Jetzt knallts nicht mehr so. Kommt aber auch auf die Sonderausstellungen an und weil es gegenüber der Frauenkirche liegt, kann man ja immer mal einen Blick werfen, was so geht.
  • Hygienemuseum: War früher auch Pionierpflicht und hat sich sehr gut gemacht. Viel zum Anfassen und Staunen, toller Bau sowieso. Starke Sonderschauen. Liegt gegenüber vom Dynamo-Stadion.
  • Frauenkirche: Ein Muss, ist klar. Toller Prunk, tolle Wiederaufbausaktion, da kriegt man wirklich Gänsehaut. Der Aufstieg kommt mit wenigen Treppen aus, man kann ihn sich aber eigentlich sparen, wenn man gut zu Fuss ist, denn – Tipp! – für weniger als die Hälfte (8 vs 3 Euro) klettert man entspannt und quasi alleine auf den Turm der
  • Kreuzkirche: Liegt an der Weißen Gasse, fußläufig flott erreichbar. Die Kirche ist im Gegensatz zur Frauenkirche sehr dezent wiederaufgebaut worden, sehr angenehm. Weiterer Vorteil: Man sieht natürlich auch die Frauenkirche von oben.
  • Gedenkstätte Bautzner Straße: Ehemaliges STASI-Untersuchungsgefängnis, jetzt als Museum begehbar. Sehr bewegend, der Videofilm in einer der Zellen über die Stürmung des Komplexes 1989 ist tolle Zeitgeschichte. Eintritt: läppische vier Euro.

 

Gay-Bars in Dresden

Tja nun, es gibt drei, wie sich das für so ne Kleinstadt halt gehört. Im Valentino war ich noch nie, im Boy’s (jaja, wirklich) und in der Queens-Bude (jaja, heißt auch wirklich so) dagegen öfter. Abendqualität ist stark abhängig vom Personal, sag ich mal. Ansonsten gibt es inzwischen eigentlich jedes Wochenende eine Party. Da merkt man dann, dass es doch ein paar Homos in Dresden gibt.

 

Fußball in Dresden

Ist natürlich reif für die erste Liga: Das Stadion, die Fans, die Atmosphäre, die Liebe der Stadt zum Verein. Das ist eigentlich alles der Situation in Köln sehr ähnlich. Polizei und Ordner waren ausgesprochen freundlich. Hervorragende Auswärtsfahrt, gerne wieder (strengt euch an!).

 

Ansonsten:

Nicht von der Sprache verrückt machen lassen. Die Leute sind nett. Echt.

 

Herrlichst!Verspätung.Planespotting.Tristesse.Zwinger im SchneesturmHeute kein Westgeld im Brunnen.
König Johann im Schneesturm.Hi.Dynamo-Stadion.Dach.Service für 4Zitronenpresse
SchrägMoschee in der InnenstadtBrauerei-SuchbildWat für Strassenverkehrsfreunde.Ah. Oh.Geheimtipp.
Sozialistische Propagandahausfassadenkunst.Fremdkörper.Spinnt die?!Hello lover!Wieder da! <3Dauerausstellung.

An Tagen wie Dresden, a set on Flickr.

Funhaus Promo Video

Neulich war ich ja im Funhaus, ich fand das sehr gut (drum war ich öfter) und weil das Internetz ja zum Teilen gemacht ist, teile ich als Nachtrag das kürzlich veröffentlichte Promovideo. Nur für den Fall, dass es demnächst mal wieder eine Neueröffnung irgendwo gibt.

Disclaimer: Dieser Film ist nicht ganz so SFW und enthält leider keinen Al Bano und keine Romina Power. Wer mich entdeckt, darf mich behalten.

FunHaus from Alessandro De Matteis on Vimeo.

Zitat-Orgie mit Harald Schmidt und Pollesch

Zugegebenermaßen war mir René Pollesch bisher kein Begriff, aber das Interview in der Zeit ist wirklich herausragend unterhaltsam. Was darauf schließen lässt, dass es sich um einen guten Mann handelt. Besonders amüsant ist das Anreichern der Antworten mit schönen Zitaten zu jedwedem Thema. Mein liebstes kommt von Brecht:

ZEIT: Ein ganz wichtiges Wort in Ihrem Wortschatz, Herr Pollesch, ist »Regulierung«. Herkömmliches Geschichtenerzählen, sagen Sie, sei bloß eine Art, das Publikum zu regulieren.

Pollesch: Es könnte sein, dass Geschichten, von denen man sagt, dass sie von uns erzählen, eher dazu taugen, dass die Zuschauer und die auf der Bühne sich gegenseitig auf Lesbarkeit trimmen. Also eine heterosexuelle Liebesgeschichte zum Beispiel wird als die universelle Liebesgeschichte ausgegeben. Oder die Geschichte über einen Mann als die Geschichte über den Menschen. Brecht hat die Regulierung auch mal benannt, als er im Berliner Ensemble die Zuschauer reinkommen sah und sagte: Penis und Vagina, immer das Gleiche, immer nebeneinander. Ich hab mal in einem ganz frühen Stück eine Frauenfigur zu einer anderen den Satz sagen lassen: So kriegst du nie nen Mann. Und da wurde ich von lesbischen Freundinnen gefragt: Muss so ein Satz sein? Das ist so heterozentristisch. Sie hatten recht. Und ich will so was nicht produzieren. Ich will nicht dieselben Heterophrasen wie alle anderen von der Bühne blasen. Ich will mich nicht an der Regulierung beteiligen.

Großartig.

Sommer-Fotoprojekt

Es gab und gibt ja diverse beeindruckende Selbstporträt-Fotoprojekte, nicht zuletzt bei den Simpsons, das hier ist aber irgendwie sympathischer weil wegen Freundschaftsfaktor:

5 Jungs machen aller 5 Jahre das gleiche Bild am gleichen Ort. So simple, so gut.

Erstes Bild von 1982

1987, 1992, 1997, 2002, 2007 und 2012 gibt’s auf der Homepage, die aussieht wie von 1997.

Einen länglichen und mit belanglosen Details gespickten Artikel darüber bei CNN hatte Photojojo beim Facebook verlinkt.