Category Archives: Heimat

Ab durch die Mitte

Ich hätte ja gern ein oder zwei Fotos eingestreut, aber die Rechenmaschine im Kinderzimmer (lies: Gästezimmer) meiner Eltern ist so lahm, dass DSL eigentlich auch eine Verschwendung ist. In solchen Momenten kriegt man erstmal mit, wie überladen Internetz so ist mit Videos (keine Chance), Pop-Ups (ätzend) und vor allem nervigen Schneeflocken, die auf viel zu vielen Websites lustig (=ruckelig) auf die Startleiste plumpsen. Nie wieder werde ich Videos embedden.

Freitagabend ganz wunderbar auf der hochgradig empfehlenswerten White Diamond (Beweisfoto 1, Beweisfoto 2) in Münster. Münster, Münster, ständig dieses Münster! Amateurhaftes Rumdekorieren für das Weihnachtsspecial war so schön wie seit den seeligen Poptastic 1.0-Tagen nicht mehr.

Das volle Programm mit Ente, Gans, Kaninchen und Lamm auf einmal dann bei einem bemerkenswerten Weihnachtsessen in einer riesigen Leipziger Altbauwohnung mit 20 Leuten. Nach der Völlerei und viel Wein holt doch nicht wirklich einer die Gitarre raus. Noch bevor ich leise lästern konnte, dass von den netten Strickjackendamen sicherlich gleich Imagine angestimmt wird, gings schon los mit Weihnachtsliedern. Und dann Imagine, fließender Übergang zu Ostrock und 89ern Protestsongs, schließlich Freestyle-Rap ohne Dialekt. Sehr obskur. Toll: Rosmarin-Prosecco. Ganz liebe 9 Punkte!

Die Leipziger Homokaschemme Gay-Garage (oder so) erlebte gestern angeblich ihre Schließung. Stiftung Tresentest befindet: Vollkommen zurecht.

Und schon gibts wieder Essen.

Hamburger Straße, DD – mal 15 Jahre zurückgespult

Die danceFabrik war damals (heterosexuell, jung, dem Bierkonsum abgeneigt) mein Stammstehtresentechnokellerclub. Wie man sowas im Nachhinein halt immer überhöht, war das Ausgehen selbstverständlich nie mehr so schön wie früher. Und der Laden eine Legende in Dresden.
Am 30.5.1992 war ich zwar erst 13 und hatte noch zwei Jahre bis zu meiner Premiere in dem Schuppen, aber das jetzt bei Myspace aufgetauchte Videomaterial (vom schwer sächselnden Vater eines der DJs) weckt stroboskopblitzartig die unter der Nebelmaschine begrabenen Erinnerungen.

Teil 1 von 7 (2:37min) – Die Fabrik von innen und außen
[myspacevideo 22362798]

Teil 2 von 7 (3:47min) – Hardsequencer (=Hardy Hard) mit schrecklichen Klamotten und ausbaufähigen Mixskills am Anfang seiner Karriere
[myspacevideo 22367369]

Teil 3 von 7 (2:25min) – Seltsam aussehende Menschen mit fiesen Sonnenbrillen bewegen sich seltsam auf der Tanzfläche. Wenn ich mich nicht irre, ist das eine uralte Moving Shadow aufm Teller
[myspacevideo 22368163]

Teil 4 von 7 (7:38min) – Alles dabei: Taschenlampe, Trillerpfeife, Gasmaske. Früher ging man ja auch schon mal vor Mitternacht zum tanzen. Ganz am Ende voll der Hit (mir liegts auf der Zunge) und gude Laune überall
[myspacevideo 22368649]

Teil 5 von 7 (2:37min) РSch̦n weitertanzen!
[myspacevideo 22370025]

Teil 6 von 7 (2:56min) – Hat sich noch gar keiner das Shirt vom Leib gerissen?! Achso, is ja keine Homoparty.
[myspacevideo 22420834]

Teil 7 von 7 (3:46min) – Speedy J!!!!
[myspacevideo 22420976]

Et is der Traum in Tüten. Gott schütze das Internetz etc.

Platzverweise im Osten

Nach Cottbus’ ausführlich diskutierter und im Allgemeinen für hochgradig fahrlässig empfundenen Entlassung von Petrick Sander, hat nun auch mein alter Heimatverein mit Norbert “Kopfstoß” Meier seinen Trainer beurlaubt.

Zurück an Bord ist ab sofort Ede Geyer, der Ende der 80er mit Spielern wie Ulf Kirsten, Matthias Sammer oder meinem Torwart-Idol Ronny Teuber dem Stasi-Verein aus Berlin nach 10 Spielzeiten den DDR-Titel wieder abnahm und im Europokal bis ins Halbfinale stürmte, um schließlich knapp am VfB Stuttgart zu scheitern.

Geyer war Vorgänger von Petrick Sander in Cottbus, wo er das dortige Team vor Jahren von der 3. in die 1. Liga führte. Klingt in Dresdner Ohren schon mal ganz gut. Eduard Geyer ist also genauso ein alter Hase wie der landauf-landab beliebte Hans Meyer und obwohl er eher spröde-rustikal wirkt, hat auch er schon einige ganz wunderbare Sprüche für die Ewigkeit kreiert:

  • “Die Fans wollen solche Spiele nicht sehen, bei denen man erkennt, dass manche Spieler nachher kein Deo brauchen.”
    (zu einer Sitzblockade von Cottbuser Fans)
  • “Ein langsamer Spieler bleibt ein langsamer Spieler. Da kann er sich noch so viele Gummis zwischen die Beine klemmen.”
    (zum Gummi-Twist-Training der deutschen Nationalmannschaft)
  • “Mit uns kleinen beschissenen Cottbusern kann man es ja machen.” “Der Schiedsrichter hat sogar beim Husten eines Maulwurfs gepfiffen.” (zu Schiedsrichter-Leistungen)
  • Mein Lieblingszitat: “Wenn sich jemand dehnen will, soll er nach Dänemark fahren. Bei mir wird gelaufen, da kann keiner quatschen.” (zu seinem Training)

Für das morgige Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg hat Dresden vor Bekanntgabe der Trainerentlassung und Inthronisierung von Geyer erst 5.500 Karten verkauft. Das ist sogar dann noch sehr wenig, wenn man bedenkt, dass nicht einmal die erste Mannschaft von Wolfsburg in irgendeiner Weise spannend ist.

Zum Vergleich: Als Dynamo Dresden unter Ede Geyer 1989 nur wenige Monate vor der Wende gegen den VfB Stuttgart zum Rückspiel im Halbfinale des UEFA-Cups ins heimische Stadion lud, gab es 200.000(!) Kartenvorbestellungen. Dresden hatte damals noch um die 500.000 Einwohner, ich war noch zu klein.